Und wieder eine dieser kleinen Geschichten, von denen es bestimmt viele zu erzaehlen gibt, von denen es aber nicht jede bis an die Oberfläche öffentlicher Sichtbarkeit schafft.
Damira Zhorobaeva lebt in Osch. Seit dem Frühjahr, genauer gesagt, seit dem 11. April, kämpft sie vor den Rechtsinstanzen in der Region um die Verurteilung des Schuldigen am Tod ihrer Tochter Bakyt kyzy Nazira. An diesem Tag hatte ein Mitarbeiter der Firma ‘Askhed’ Bakyt kyzy Nazira mit dem Auto überrollt. Der MItarbeiter, Atambaev mit Nachnahmen, nutzte beim Prozess allem Anschein nach seine guten Beziehung zur Firmenspitze, welche auch den Nachnamen Atambaev führt. Was sich im Zuge des Aufarbeitung des Vorgefallenen abspielte, ist wohl paradigmatisch für Konflikte in Kyrgyzstan und Grund, warum sie sich häufig in Tragödien verwandeln.
Vor Gericht, Ort war der Rajonnyj Sud des Rajons Kara-Suu in der Oschskaja Oblast, traten nach einem Bericht bei AKIpress Zeugen auf, die den Vorfall schilderten und dem beschuldigten Atambaev wohl keine Möglichkeit der verteidigenden Ausflucht ließen. Die Berichte der Zeugen ließen keinen Zweifel zu. Laut Zhorobaeva anerkannte Atambaev sogar seine Schuld vor Gericht. Auswirkungen auf eine mögliche Verurteilung hatte das aber nicht. Entscheidend als die Zeugenaussagen war in diesem Verfahren ganz was anderes.
Zhorobaeva erzählte AKIpress von einem völlig verzehrten Gerichtsverfahren, in welchem der Richter Ryspaj Zhusopov regelmäßig den Saal verließ, um zu telefonieren und bei den Zeugenbefragungen einseitig zugunsten des Angeklagten die Zeugen unter Druck setzte. Am Ende verschob Zhusupov die Urteilsverkündung auf Antrag von Atambaevs Anwalt auf den 22. Juli. An diesem Tag sprach er den Angeklagten von allen Aklagepunkten frei und entließ Atambaev unbehelligt auf den Weg zurück in die Gesellschaft. Zhorobaeva erhielt einige Tage später einen Auszug aus dem Urteil. Damit war die Sache erledigt.
Madame Zhorobaeva gibt nun allerdings nicht so schnell auf. Sie will das Urteil anfechten, dass offensichtlich bei Absprachen im Hintergrund des offiziellen Gerichtsgeschehens vorab ausformuliert worden war. Damira Zhorobaeva weiß, dass auch der OblastSud der Oshskaja Oblast’ keine Garantie gegen weitere Absprachen bietet. Deswegen ihre Aussage, sie werde sich auch in einem Brief an den Präsidenten wenden und ihn direkt um Unterstützung in ihrem Kampf um eine Würdigung des Andenkens an ihre Tochter bitten.
Hoffen kann Damira Zhorobaeva auf Erfolg dabei allerdings nur auf Grund der dritten Strategie, die sie in dieser Auseinandersetzung fährt: die Anrufung der Öffentlichkeit. Nur hier ist das Potential zur Skandalisierung, nur hier die Möglichkeit der Erregung öffentlicher Entrüstung. Und nur über diesen Weg kann sie es schaffen, vielleicht von oben eine hinter den Kulissen die Befehlsketten hinablaufende Direktive zu erwirken, welche die Richter in der Oshskaja Oblast auf ein neutrales Verfahren verpflichten. Manchmal klappt sowas. Und manchmal klappt sowas auch in Kyrgyzstan.