Heute kamen gleich zwei interessante Nachrichten über den Ticker der größten kyrgyzischen Nachrichtenagentur AKIpress. Einmal wurde berichtet, dass Kazakhstan, was nördlich an Kyrgyzstan angrenzt, seinen Ausstieg aus dem zentralasiatischen Energieverteilungsnetz verkündet hatte. Anlass war wohl nach kazakhischen Angaben die illegale Entnahme von Strom durch tadzhikische Stellen (südlich an Kyrgyzstan angrenzend). Für Kyrgyzstan ist diese kazachische Maßnahme ein Problem.
Die Republik hängt ab von dem länderübergreifenden Verteilungsnetz. Eine sichere Versorgung vor allem der nördlichen Haushalte kann eigentlich nur gewährleistet werden mit den Stromeinspeisungen, die Kazachstan vornimmt. Da dieser Strom nun wegfällt, haben die kyrgyzischen Behörden extra cut-offs eingeführt. Auf Grund der allgegenwärtigen Energiekrise in Kyrgyzstan bestehen jetzt schon (seit mehreren Monaten) Stromabschaltungen. Von Mitternacht an bis 6 Uhr morgens sind die meisten Viertel in der Hauptstadt Bischkek ohne Strom. Die neuen Engpässe sorgen jetzt für eine Abschaltung zwischen 18 und 22 Uhr abends, den Hauptkonsumzeiten der Stadtbevölkerung. Auf dem Land sind die Zustände bereits seit einigen Wochen oder Monaten weitaus schlimmer, hier wird – nach unterschiedlichen Angaben – erstens für weitaus längere Perioden und ohne Vorwarnung abgeschaltet. In Bischkek, so die Behörden, trifft die neue Abschaltung die Randbezirke, die sogenannten Zhilmassive und Mikrorajone, also jene Teile der Stadt, in denen die große Masse der Stadtbevölkerung wohnt. Die Hochhäuser im Zentrum werden von der Maßnahme verschont. Oder anders ausgedrückt: die wohlhabende Schicht der Politbiznismeny und Ex-Pats muss sich nicht sorgen, hier ist eine durchgehende Versorgung mit Strom garantiert.
Reicht diese Ungerechtigkeit einer höchst selektiven Anwendung einer Sparmaßnahme noch nicht als Leid, so müssen die Bewohner des Landes nun auch noch als Antwort auf die Energie- und Wirtschaftskrise im Land den Schwachsinn des Wirtschaftsministers Akylbek Zhaparov ertragen (so denn Strom gerade vorhanden und Fernseher am Laufen). Der ehemalige Finanzminister und bewundernswerte Krisenstratege (einer der wenigen Minister, die es seit der TulpenRevolution trotz unzähliger Kabinettsumbildungen immer wieder in die Riege der Minister geschafft hat; short bio hier) schlug allen Ernstes vor, wieder die sowjetischen 5-Jahres Pläne stalin’scher Machart einzuführen. Kyrgyzstan könne das schaffen, die Effektivität der administrativen Organe sei in den letzten beiden Jahren sehr gestiegen.
Was 5-Jahres Pläne mit der Krise, was die administrative Effektivität (die man durchaus bezweifeln kann) mit 5-Jahres Plänen zu tun hat – darüber schweigt sich der Minister aus. Mitunter entsteht der Eindruck, die Herrschaftselite in Bischkek hat so dermaßen den Zugriff auf die Verhältnisse im Land verloren, dass wieder die Hoffnung entsteht, im Frühjahr könne eine gestärkte Opposition eine Änderung der Lage herbeiführen. Denn fünf Jahre nach der Revolution, die den heutigen Präsidenten Bakiev an die Macht spülte, hat die Bevölkerung in Kyrgyzstan eigentlich eine regelmäßige Stromversorgung und professionelle Budgetführung der obersten Finanzbehörden verdient. Statt kein Fernsehen und Zhaparovs Geschwafel eben regelmäßige Nachrichten und öffentliche Budgetdebatte. Das wäre mal was neues in der Kyrgyzischen Republik.
Just dropping by.Btw, you website have great content!